Support-Ende für Windows XP: Probleme?

Nach fast 13 Jahren Windows XP hat die Firma Microsoft in diesen Tagen den Support für diese Betriebssystemversion eingestellt, obwohl es immer noch Nutzer dieses Systems gibt. Die Medien überschlagen sich fast im Ton. Man hat den Eindruck, das jüngste Gericht in der IT steht vor der Tür. Versuchen wir einmal, das Ganze etwas nüchterner zu betrachten.

Sicherheits-Updates für XP gab es die ganzen 13 Jahre lang, während wir das System benutzten. Eigentlich sollte man annehmen, dass in dieser Zeit die Fehler so ziemlich beseitigt wurden. Früher war es bei Software oft so, dass ein Hersteller den Support für eine Version mit der Begründung einstellte, dass kaum noch Fehler gemeldet würden.

Jetzt wird von manchen (von wem wirklich?) suggeriert, dass die Häcker bewusst in letzter Zeit Hinweise auf Sicherheitsprobleme zurückgehalten haben könnten (!), um diese nach dem Einstellen des Supports in aller Ruhe auszuschlachten. Für mich eine aberwitzige Vorstellung. Bisher war ja doch auch so, dass ein Sicherheitsproblem gefunden wurde, manchmal sogar in aller Öffentlichkeit diskutiert wurde (meist hat der Laie es nicht verstanden, so dass er nicht in die Verlegenheit kommen konnte, es selbst auszunutzen), und es dann noch geraume Zeit dauerte, bis der Patch von Microsoft verteilt wurde. In dieser Zwischenzeit verwendeten alle XP-Nutzer ein für alle sichtbar  unsicheres System und was ist passiert?

Ich muss zugeben, dass es mit dem Abnehmen der Fehlerzahl während der Lebenszeit eines Programms manchmal nicht so einfach ist, wenn in der Zeit auch neue Funktionen hinzukommen, die anfangs ja auch immer fehlerbehaftet sind. Dies ist bei Windows XP sicher der Fall. Ich wage die Behauptung, dass so gut wie alle Fehler, die jetzt noch drinstecken, auf Erweiterungen und neue Funktionen der letzten Zeit zurückgehen. Es wäre also meines Erachtens die Pflicht von Microsoft, bekanntzugeben, wann die letzte solche Änderung stattgefunden hat und dann noch (ohne weitere Erweiterungsänderungen) für eine bestimmte Zeit, vielleicht zwei, drei Jahre, nur noch Fehlerverbesserungen herauszugeben. Statt dessen wird zu einem willkürlich gesetzten Zeitpunkt der Kreislauf von Erweiterungen und Fehlerbehebungen abrupt unterbrochen. Als Bonbon wird ein letzter Batzen von Fehlerbehebungen verteilt, damit auch ja jeder sieht, dass da immer noch Fehler drin sind. War da nicht vom Zurückhalten von Hinweisen auf Sicherheitsprobleme die Rede?

Warum verfährt Microsoft in dieser Weise? Der Grund ist einfach: Geld! Durch die Horrormeldungen bezüglich nicht mehr gewarteter Software, die von den Medien bereitwillig (nur die schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht) übernommen und ausgewalzt werden, wird ein Druck ausgeübt, sofort neue Betriebssysteme einzusetzen und dadurch Umsatz und Ertrag des Herstellers zu erhöhen. Der bisherige Gipfel sind Warnungen vor der Benutzung von Geldautomaten, da in diesen teilweise Windows XP verwendet wird.

Die ganze Aufregung erinnert mich an das Gedöns mit dem Jahr 2000-Problem, wo allen Ernstes befürchtet wurde, dass die heimische Waschmaschine nicht mehr läuft, dass an Silvester Punkt Mitternacht Aufzüge stecken bleiben, weil sie meinen, dass ihre letzte Wartung zu lange zurückliege, und wo ein Hamburger Informatikprofessor zu Vorratskäufen von Trinkwasser, Konserven und Batterien aufgerufen hatte.

Über zhongxiong

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